Wie die Polynesier ihr Ziel erreichen

Von den Polynesiern wird gesagt, dass sie die kaum lösbare erscheinende Aufgabe, über weite Strecken im Pazifik doch immer wieder Landziele zu erreichen, mit Hilfe bestimmter Strategien bewältigten. Sie wählten eine Richtung und taten so, als ob in jener Richtung ihr Ziel liegen würde. Dabei war ihnen klar, dass sie das nicht exakt wissen konnten. Deshalb segelten sie nicht genau in die angepeilte Richtung, sondern schauten ständig in alle Richtungen und änderten ihre Zielvorgabe, wenn sie interessante Hinweise sahen. Die Funktion ihres Ziels war es also keineswegs, dieses unbedingt erreichen zu müssen, sondern überhaupt erstmal in Bewegung zu kommen. Wenn sie dann vom ursprünglichen Ziel abweichen mussten - weil sie neue Informationen bekamen - bewerteten sie diese Änderung nicht als die Korrektur eines Fehlers oder gar Versagen, sondern als hohe Kompetenz.

Während der ganzen Fahrten nutzten die Polynesier Wind, Sterne, Wellengang, Wolkeninformationen und alle weiteren zur Verfügung stehenden Informationen zur Navigation. Dabei orientierten sie sich nicht nur "nach vorne" sondern auch nach "hinten" zu ihrem Ausgangspunkt.  So konnten sie immer wieder zurückkehren, wenn die Reise zu heikel wurde. Erst dies trug zu ihrer inneren Zentrierung bei, die man für erfolgreiches Navigieren im niemals vollständig planbaren Leben braucht.